Naturschutz-Strategie zum Erhalt der Artenvielfalt

By 2. Juli 2013 Dezember 10th, 2016 Allgemein, Arbeitsbeispiele

image_manager__rex_mediabutton_preview_oecoach_news_naturschutz-strategie-bw_madiko_320x200pxHeute, am 2. Juli 2013 hat die grün-rote Landesregierung Baden-Württembergs eine neue Naturschutzstrategie beschlossen. Für die nächsten zehn Jahre hat sie damit ein anspruchsvolles Programm vereinbart. 133 Ziele und 220 Maßnahmen – mit 109 Seiten ist die neue Naturschutzstrategie ein umfassendes Werk geworden. Da Grün-Rot gleichzeitig die Ausstattung der Naturschutzverwaltung mit Ressourcen wesentlich verbessert hat, besteht begründete Hoffnung, dass das Naturschutzprogramm zum größten Teil umgesetzt werden kann.

Seit 2011 war ich intensiv damit beschäftigt, die im Koalitionsvertrag festgeschriebene Strategie weiterzuentwickeln. Im Juli 2011 riefen wir Naturschutzverbände, Naturschutzbehörden und Ministerien auf, uns bis Ende September 2011 Defizite und Anpassungsbedarf bei der Naturschutzstrategie zu benennen. Aus mehr als 50 Stellungnahmen und der Auswertung der “Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt” sowie der EU-Strategie fertigte ich einen ersten Rohentwurf an.

Dieser wurde in mehreren Sitzungen von März bis Mai 2012 im „Fachausschuss für Naturschutzfragen“ intensiv diskutiert und in zahlreichen Punkten verändert und ergänzt. In diesem Ausschuss des Landesbeirats für Natur- und Umweltschutz beim Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg (MLR) sind einbezogen: Spitzen der Naturschutzverbände, Vertreter der Landwirtschaftsverbände, der Forstkammer sowie der ökologischen Wissenschaften und Fachabteilungen des MLR.

Auf dieser Verhandlungsbasis entstand ein zweiter Entwurf. Auch dieser wurde ausführlich mit den Arbeitskreisen der Regierungsfraktionen erörtert. Parallel dazu beteiligten wir alle Ministerien. Die daraus resultierenden Veränderungen führten dann zu weiteren Diskussionsrunden. Der Beschluss des Ministerrats bindet die Ressorts und macht die Ziele und Maßnahmen der Naturschutzstrategie auch für sie verbindlich. So ist es nicht verwunderlich, dass hier teilweise schwierige Abstimmungsrunden erforderlich waren. Im März 2013 konnten die Arbeiten am Text der Naturschutzstrategie abgeschlossen werden.

Ziel der Naturschutzstrategie

… ist es, den Naturschutz als eines der zentralen Themen der Landesregierung zu etablieren. Ziel ist aber auch, ein wirksames Instrumentarium für den Kampf gegen den Artenverlust zu entwickeln und dieses anzuwenden. Die Biodiversität der wild lebenden Tier- und Pflanzenarten Baden-Württembergs soll erhalten werden.

Das heißt, die biologische Vielfalt in Baden-Württemberg soll stabilisiert, also

  • die heimischen Tier- und Pflanzenarten und ihre genetische Vielfalt erhalten,
  • ihre Lebensräume gesichert und
  • ihre Überlebenschancen verbessert werden.

So leistet Baden-Württemberg einen wirksamen Beitrag zu dem von der internationalen Staatengemeinschaft beschlossenen Ziel, den überproportional hohen Verlust der biologischen Vielfalt zu stoppen.

Die benannten Handlungs- und Umsetzungsschwerpunkte sind Grundlage für die Planung der Maßnahmen und das Controlling. Jährlich wird der oben genannte “Fachausschuss für Naturschutzfragen” über beides beraten. Denn leider gibt es – trotz der Verbindlichkeit für zwei Legislaturperioden – keine Planungssicherheit, weder für die Haushaltsentwicklung noch die Personalressourcen.

Das Gesamtkonzept hat erstmals den Naturschutz als Querschnittsaufgabe begriffen und deshalb den Rahmen weit gespannt. Angefangen von den Verwaltungsbehörden und Kommunen wurden Ziele für Tourismus, Land-, Forst- und Wasserwirtschaft bis hin zu Wirtschaftskammern, Industrie-Unternehmen und Bildungseinrichtungen vorgegeben.

Die Aktionsfelder

Für die Naturschutzverwaltung legt die Naturschutzstrategie folgende Schwerpunkte fest:

  • Natura 2000-Gebiete sollen zügig gesichert und entsprechend ihren Erhaltungszielen gestärkt werden. Hierzu werden die finanziellen und personellen Ressourcen gestärkt.
  • Die Großschutzgebiete sollen systematisch durch einen Nationalpark und ein weiteres Biosphärengebiet ausgebaut werden. Aber auch der großflächig integrative Ansatz der PLENUM-Gebiete für eine naturschutzorientierte Regionalentwicklung soll ausgebaut und – soweit möglich – in andere Förderprogramme etwa bei den Naturparken oder bei LEADER-Gebieten übertragen werden.
  • Ein wirksames Biotopverbundsystem soll die Überlebenschancen und die Möglichkeiten zur Weiterentwicklung der Populationen von Tieren und Pflanzen verbessern. Gleichzeitig soll im Hinblick auf den Klimawandel der Verbund die Wanderung von Arten in andere besser geeignete Landschaften ermöglichen.
  • Ein Moorschutzkonzept soll die Notwendigkeit, die Feuchtlebensräume mit ihrer darauf spezialisierten Artenausstattung zu erhalten, mit den Zielen des Klimaschutzes und des Bodenschutzes verbinden und hier eine Win-win-Situation schaffen und nutzen.
  • Mit dem Naturschutzbeitrag zur Bildung für nachhaltige Entwicklung soll die Bevölkerung für die oft unterschätzte Bedeutung der biologischen Vielfalt im Allgemeinen und des Naturschutzes im Besonderen für eine lebenswerte Umwelt vermittelt werden.
  • Nicht zuletzt sollen durch eine effizient organisierte Naturschutzverwaltung in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit anderen Verwaltungen und Kommunen, mit Landnutzern, Tourismus und Wirtschaft die Naturschutzziele zum Wohle von Natur und Menschen erreicht werden.

Wichtige Schwerpunkte der Naturschutzstrategie sind also gleich geblieben. Sie stellen einerseits Notwendigkeiten dar. Andererseits sind sie bereits im Koalitionsvertrag oder durch lange Diskussionsprozesse in den Facharbeitsgruppen festgeschrieben worden:

  • Stadtökologie und Stadtnatur,
  • Rohstoffabbau und Naturschutz,
  • Wirtschaft und Unternehmen pro Natur,
  • Natur und Tourismus sowie
  • Natur erfahren, Natur erleben.

Mehr zum Projekt, den Hintergründen und dem weiteren Vorgehen der Landesregierung erfahren Sie

Die verschiedenen Fassungen der Naturschutz-Strategie Baden-Württembergs können Sie hier nachlesen und herunterladen:

Letztes update: 03.11.2014

Foto: Franziska Köppe | madiko